MUDRA – Die Yogischen Siegel

Das Sanskritwort Mudra bedeutet Siegel oder Stempel. Im Yoga bezeichnet es unterschiedliche Yogapraktiken. In der Lehrschrift der Hatha Yoga Pradipika werden unter anderem die drei Verschlüsse Mula Bandha, Uddhiana Bandha und Jalandhara-Bandha zu den Mudras gezählt.

Mudras sind in ihrer Ausführungen sehr verschieden und können beispielsweise einfache Gesten, Atemtechniken oder Körperhaltungen sein. Die Yogischen Siegel sind bedeutungsvolle und notwendige Glieder einer umfassenden Übungspraxis (Saddhana). 

Aber am geläufigsten ist wohl die Verwendung der Bezeichnung Mudra für besondere Handhaltungen, die für die rituelle Yoga Praxis, die Meditation und den klassischen indischen Tanz eine Rolle spielen.

Im alten indischen Theater wurden Mudras genutzt um die Emotionen und Stimmungen der Schauspieler darzustellen. Sie symbolisieren Gemütszustände, Geisteszustände, Planeten, Emotionen, Elemente, Chakras und vieles andere und sie haben auch eine direkte Wirkung darauf. 

Im Tantra heißt Mud (Freude) und Dra (geben), also ist Mudra das, was Freude gibt. 

HAND MUDRAS

sind Stellungen und Gebärden der Hände und Arme. Im hinduistischen und buddhistischen Tantra gibt es eine große Zahl von Gesten. Mit diesen Mudras werden die verschiedenen Gottheiten verehrt. 

Im klassischen indischen Tanz werden bei der Darstellung der Götter ebenfalls Mudras und Armposen verwendet. Zusammen mit den Stellungen und Attributen gehören sie zu den Unterscheidungsmerkmalen der zahlreichen Gottheiten.

Man sagt es gibt 108 Mudras, wahrscheinlich noch viel mehr. Die Zahl 108 ist im Hinduismus heilig. Es gibt zum Beispiel 108 Upanishaden, der Gott Shiva trägt 108 Namen und Mantren werden genau 108 mal rezitiert. 

Ich erläutere in diesem Beitrag nur einige geläufige Mudras und gehe auf deren Bedeutung und Wirkung ein.

ANJALI MUDRA

Anjali bedeutet Darbietung, sie ist eine Geste der Demut, oder der Herzöffnung. 

Sie ist eines der wohl bekanntesten Mudra, das Siegel der Ehrerbietung oder auch Gebetshaltung genannt. Man legt die Hände aneinander, so dass die Daumen am oberen Brustbein Ende liegen dabei presst man die Handflächen mit leichtem Druck zusammen und hält die Unterarme gegen den Oberkörper gedrückt.

Diese Geste drückt im Orient Tiefe Ehrung für eine Gottheit aus. In Europa erinnert sie uns an die gebräuchliche Handhaltung beim Gebet. In Indien ist „Namaste“ in Verbindung mit Anjali Mudra die alltäglichen Begrüßung unter Menschen. Es bedeutet auch „Das göttlich in mir, grüßt das göttliche in dir.“ und ist eine Geste höchsten Respekts. 

Die Berührung der Hände symbolisiert ebenso die Verbindung der rechten und linken Seite des Körpers. So hilft sie die beiden Aspekte positiv und negativ oder männlich und weiblich zu harmonisieren. Sie ist ein Herz Mudra und ein unfehlbares Mittel die Verbindung mit dem eigenen innersten selbst herzustellen.

DHYANA MUDRA 

Dhyana vom Sanskrit ins Deutsche übersetzt heißt Meditation. Dhyana Mudra ist also die Meditationsmudra und wird auch Siegel der Versenkung genannt.

Im Schneidersitz oder Lotus Sitz legt man die Hände mit den Handflächen nach oben übereinander in den Schoß so dass die Daumen sich berühren. Der Daumen steht für Pita (Feuer). In der Meditation soll Pita weder aktiviert noch reduziert, sondern eher harmonisiert werden. Zusätzlich schafft das übereinanderlegen beider Hände  Einheit.  

Dhyana Mudra fördert die Konzentration (Pratyahara) und ermöglicht dadurch das loslösen der Sinne von der Außenwelt. Pratyahara, die Konzentration wiederum ist eine Vorbedingung zum erreichen der höheren Stufen des Ashtanga-Yoga. 

Diese Handhaltung symbolisiert den Zustand tiefster Meditation, in welchem sich das gegenständliche Bewusstsein auflöst und der Yogi die Stufe von Samadi die erreicht. 

DAMARU MUDRA

Im Schneidersitz oder einer anderen Meditationsstellung wird die rechte Hand gehoben. Die Spitzen von Mittel und Ringfinger werden an den Daumen gelegt, während Zeige- und kleiner Finger gestreckt werden.

Mit dem Damaru Mudra identifiziert sich der Yogi mit Shiva dem höchsten der Götter. Man sagt, dass mit diesem Mudra das schlechte und dämonische im Wesen zerstört und dadurch die Entstehung des Guten ermöglicht wird. So macht man sich zum Herrn über sein eigenes Leben und wird selbst zu Shiva, der Verkörperung des reinen, absoluten, kosmischen Bewusstseins. 

Das Mudra heißt auch „Siegel der Sanduhrtrommel“ weil sie das typische Instrument von Shiva ist.

JNANA MUDRA 

Eine der beliebtesten Mudras für die Meditation ist Jnana Mudra 

Im Schneidersitz oder Lotus Sitz legt man die Handrücken auf die Knie und formt mit Daumen und Zeigefinger beider Hände einen Kreis. Die anderen Finger werden ganz ausgestreckt, so dass in den Händen eine Spannung entsteht.

Diese Handhaltung symbolisiert die göttliche Weisheit. Sie wird vor allem für Meditation verwendet. Nerven und Nadis in den Händen und Armen werden aktiviert, wodurch die Energiezentren im Unterleib erweckt werden. So soll durch diese Handhaltung zum Beispiel das Svadhisthana Chakra stimuliert und gereinigt werden. Es soll außerdem helfen die gröberen Triebe unter Kontrolle zu halten und so den Geist zur Ruhe zu bringen, eine Voraussetzung für Meditation.

Die Bedeutung der Finger in der indischen Mythologie 

Daumen = Braman (Gelehrter der Veden)
Zeigefinger = Ego (Das ich identifiziert sich mit den drei GUNAS/Eigenschaften)

GUNAS:
Mittelfinger = Tamas (Trägheit)
Ringfinger = Sattva (Reinheit, Freude, Spaß) 
kleiner Finger = Rajas (Unruhe, Anerkennung, Erfolg)

So lange der Zeigefinger mit den drei GUNAS in Verbindung steht, gibt es Probleme. Man ist Angst, Ärger und Niedergeschlagenheit unterworfen. 

Bei Jnana Mudra, dem Sigel der Weisheit, wendet sich das Ego ab von der Identifikation mit den drei Gunas. Es verneigt sich voller Demut, wendet sich Braman (und auch dem Göttlichen) hin. Der Kreis, den Daumen und Zeigefinger bilden symbolisiert Einheit

Dieses Mudra regt Wissen, Weisheit und die Fähigkeit zur Wahrnehmung an. Die Energie des Zeigefingers wird mit Jupiter in Verbindung gesetzt uns steht für Ausdehnung und Entfaltung. Dieses Mudra vermittelt Empfänglichkeit und Ruhe. 

Wie erwähnt, sind dies nur sehr wenige geläufige Mudras. Diese werden häufig genutzt und selbst ganz kleinen Yogis und Yoginis kennen diese Gesten. 

Es gibt noch sehr viel mehr, wunderschöne Hand Mudras! Vielleicht regt dich dieser Beitrag dazu an, eben diese nicht erwähnten Mudras zu entdecken und neben Asana (Körperübung), Pranayama (Atemübung) und Bandha (Verschlusstechnik) in deine Yogapraxis einzubauen.

Ich wünsche Dir ganz viel Spaß dabei!

Licht und Liebe 
Namaste
Diana