Wie finde ich meinen Yogastil?

Der Yogapfad ist ein Pfad der Vereinigung. Das Einswerden von Atem und Körper, von Körper, Seele und Geist. Die Asanas, oder auch Körperstellungen, sind zwar ein grundlegender Aspekt von Yoga, doch zu Yoga wird Asana nur dann, wenn es neben Flexibilität und Kraft hinaus auch geistige Einheit bewirkt. 

Der große Weise Patanjali und andere Yogameister legten die Yogapraktiken in einem System fest, das von Menschen begriffen, verinnerlicht und angewandt werden kann. Letztlich umfasst Yoga alle Fäden, aus denen der Stoff unser Lebens gewebt ist. 

  • Gebet und Verehrung sind Bhakti-Yoga. 
  • Das Lesen und Hören der heiligen Schriften ist Jnana-Yoga. 
  • Rechtschaffenes Handeln ist Karma-Yoga. 
  • Das Verfolgen des achtgliedrigen Pfades nach Patanjali wird Raja Yoga genannt. 

Yoga Stile

Mit welchem der vielen Yoga Stile kannst Du Dich am besten auf Deine persönliche Reise begeben?

Um Dir die Qual der Wahl zu erleichtern, stelle ich Dir ein paar der gängigen, traditionellen Yogastile vor, die ich selbst kennengelernt habe. Das sind:

  • Hatha Yoga 
  • Ashtanga Yoga 
  • Kundalini Yoga
  • Iyengar Yoga und 
  • Yin Yoga. 

Sie alle haben eins gemeinsam. Ihr erklärtes Ziel liegt darin das innerste Selbst zu erblicken und die Erleuchtung zu erlangen.

Natürlich gibt es noch weit mehr bekannte und auch jüngere Yogastile, wie Sivananda, Jivamukti, Bikram, Forrest, Arial Yoga und so könnte man die Aufzählung noch lange fortführen. Die fünf genannten Yogastile unterrichte ich entweder selbst, oder habe sie zumindest mal ausprobiert. 

Um den richtigen Yogastil zu finden, möchte ich Dir sehr ans Herz legen, unvoreingenommen die unterschiedlichen Yogastile auszuprobieren um herauszufinden, was Dir wirklich gut tut. Du wirst sicher schnell merken, dass es dabei nicht nur auf den Yogastil an sich  ankommt. 

Es spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle für die Entscheidungsfindung, wie zum Beispiel:
  • Sympathie zur Yogalehrerin / zum Yogalehrer
  • Wohlfühlen in den Räumlichkeiten 
  • Standort der Yogaschule
  • Tageszeit oder Uhrzeit an denen die Yogaklassen stattfinden

Denn was bringt es einen Yogastil zu finden, der Dir gefällt, wenn du aus organisatorischen Gründen doch nicht die Möglichkeit hast regelmäßig teilzunehmen?

Achte auch auf Hinweise dazu für welches „Level“ die Yogaklasse ist, was du dabei haben solltest, oder ähnliches. Übrigens ist es für die meisten Yogaklassen sinnvoll direkt vorher nichts Großes gegessen zu haben.

Es kann auch durchaus sinnvoll sein unterschiedliche Yogastile parallel zu üben. Ich denke zum Beispiel an Ashtanga (Yang) und Yin Yoga, da diese beiden sich wunderbar ergänzen.

Hatha Yoga 

Der Begriff kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „Ha“ Sonne (Kraft) und „Tha“ Mond (Stille). Im Hatha Yoga geht es also um die Vereinigung der Sonne und des Mondes, der beiden entgegengesetzten Kräfte. Eigentlich gehören alle Yogastile, die den Fokus auf die Asanas (Körperübungen) legen, zum Hatha Yoga. 

Was unterscheidet ihn also von den anderen Yogastilen? 

Da sich diese Form des Yoga aus der „Hatha Yoga Pradipika“ ableitet, wenden die Yogaklassen meist die darin beschriebenen Praktiken an. Es richtet sich nicht nur an den physischen Körper, sondern auch an die Energiehülle und die geistig-emotionale Hülle. Das heißt die Übungen werden einzeln ausgeführt und nicht miteinander verbunden. In einer Hatha Yoga Stunde erwarten Dich neben meditativen Elementen und Pranayama (Atemübungen) ebenso eine Tiefenentspannung.

Wegen der positiven Effekte, die Yoga auf unsere Gesundheit hat, sind viele Hatha Yogaklassen sogar von den Krankenkassen zertifiziert. Durch die bewusste Atmung wird die Durchblutung verbessert, der Herzschlag wird ruhiger und Stress wird reduziert. Zusätzlich kann Hatha Yoga helfen Verspannungen zu reduzieren und Blockaden zu lösen, Rückenschmerzen vorzubeugen oder zu lindern und den gesamten Körper zu stärken.

Ashtanga Yoga 

Ashtanga fand seinen Ursprung in der indischen Stadt Mysore. Daher sieht man in den Stundenplänen einer Ashtanga Yogaschule oft den Begriff „Mysore Style“. Dies beschreibt die traditionelle Übungsweise des eins zu eins Unterrichts in der Gruppe. 

Im Mysore Unterricht übst Du im eigenen Atemtempo Deine auf Dich abgestimmte Yogapraxis. Oft bleibt es bei der ersten der sechs Ashtanga Yoga Übungsreihen. Es gibt ein gemeinsames Anfangsmantra und ein Endmantra. Während der Praxis werden Pranayama (Atemtechnik), Bandha (Verschlusstechniken) und Asana (Körperübungen) geübt. 

Der Vorteil ist, dass Du nicht in der Gruppe untergehst und zeitweise die ungeteilte Aufmerksamkeit der Lehrerin / des Lehrers genießen kannst. Da es sich nicht um Frontalunterricht handelt, bekommst Du wahrscheinlich wesentlich mehr körperliche und verbale Hilfestellungen, die auf dich persönlich abgestimmt sind. Zudem kannst Du Dich wunderbar auf Dich selbst konzentrieren.

Im Ashtanga Yoga dehnst und kräftigst du deinen Körper und steigerst Deine Ausdauer. Ebenso wird dein Lungenvolumen gefordert, der Beckenboden trainiert und deine Konzentration geschult. Es ist eine Meditation in Bewegung. Wir arbeiten uns von außen nach innen. Über die Wahrnehmung des Körpers gelangen wir mit fortschreitender Praxis fast automatisch zur Wahrnehmung unseres Geistes. 

Ashtanga wird oft als Yoga für Fortgeschrittene charakterisiert, was es wahrscheinlich seinen

akrobatisch anmutenden Körperübungen verdankt. Doch wenn Du deine eigenen Grenzen achtest und es schaffst Yoga nicht als Wettbewerb zu sehen, den du mit schwierigen Asanas unbedingt gewinnen musst, kann Ashtanga Yoga sehr befriedigend sowohl für Anfänger, als auch für fortgeschrittene Übende sein.

Kundalini Yoga 

Kundalini Yoga ist eine dynamische, ganzheitliche Yogaform. Es wird auch als das „Yoga des Bewusstseins“ bezeichnet.

Das Wort Kundalini nimmt Bezug auf die ruhende Kraft, welche den indischen Schriften nach an der Basis der Wirbelsäule schlummert. Die allmähliche Aktivierung dieser Lebenskraft durch Yoga kann die Gegensätzlichkeit von Körper und Geist überbrücken. 

Typisch für Kundalini Yoga sind präzise Übungsreihen, die offensichtliche physische und zugleich feine energetische Wirkungen haben. In einer typischen Kundalini Yogaklasse erwarten dich Atemübungen, Aufwärmübungen, Kriya (Übungsreihe oder Gesamtheit von Handlungen zu einem bestimmten Zweck), Körperhaltungen, Tiefenentspannung, Meditation, Mudras und Mantren

Die Übungen zielen darauf ab den Astralkörper zu reinigen und zu harmonisieren, so dass die Kundalinienergie entlang der Wirbelsäule aufsteigen kann.   

Es ist ideal für Dich, wenn Du eine spirituelle Praxis suchst. 

Übrigens ist Kundalini Yoga wunderbar für Schwangere, als Vorbereitung auf die bevorstehende Geburt geeignet.

Iyengar Yoga

B. K. S. Iyengar erforsche jahrzehntelang in seiner Übungspraxis jede einzelne Yogahaltung in Bezug auf die korrekte Ausrichtung und Wirkung. Die Erfahrungen, die er mit seinem eigenen Körper machte, brachten Iyengar dazu, Hilfsmittel zu benutzen oder auch neu zu entwickeln, so genannte „Props“, wie rutschfeste Matten, Gurte, Klötze, Polster, Rückenbänke usw. Diese Hilfsmittel sollten die anspruchsvollen Yoga-Übungen vor allem für Menschen aus dem Westen erleichtern. 

Typisch in einer Iyengar Yoga Klasse ist, dass die genaue Ausrichtung des Körpers in der Yogahaltung sehr wichtig ist. Da soll sogar die Haut an der richtigen Stelle angespannt werden. So eine Yogapraxis kann durchaus Kraft kosten, dafür lernst Du die Yoga Grundlagen besonders gut. Kein Stil hat den Einsatz von Hilfsmitteln so perfektioniert wie Iyengar Yoga. Die Übungen sind aufeinander abgestimmt und werden über einen bestimmten Zeitraum gehalten. 

In einer Iyengar Yoga Klasse wirst Du Dich wohl fühlen, wenn Du auf den spirituellen Touch gern verzichten möchtest. 

Die Iyengar Yoga zertifizierten Lehrer/innen sind meist sehr gut ausgebildet. Das macht Iyengar Yoga auch für ältere, kranke oder anderweitig eingeschränkte Menschen interessant. Denn durch die Verwendung von Hilfsmitteln können die Yogapositionen sehr gut an die Bedürfnisse der Schüler/innen angepasst werden.  

Yin Yoga

Der Yogalehrer Paulie Zink entwickelte den Yin Yoga. Sarah Powers und Paul Grilley haben Yin Yoga weiter geprägt und zu dem Stil gemacht, als der er heute bekannt ist. 

Yin Yoga leitet sich von Yin und Yang Prinzip ab. Es beschreibt zwei gegensätzlichen Energien oder Prinzipien. Während Yin die ruhige, weiche, passive oder weibliche Energie repräsentiert, verkörpert Yang das Gegenteil, nämlich den harten, dynamischen und aktiven oder männlichen Part. Anatomisch steht Yin für das Bindegewebe, wie Bänder und Sehnen, während Yang für die Muskulatur steht. Diese Technik ist allerdings keine Neuerfindung, sondern ein entscheidender Teil der traditionellen Hatha Yoga Praxis. 

Wenn Du in eine Yin Yoga Klasse gehst, kannst Du Dich vorab auf eine ruhige Yogastunde einstellen. Die Übungen werden vorwiegend im Sitzen oder Liegen ausgeführt und minutenlang gehalten. Es ist also eine sehr langsame Yogapraxis, die Dir helfen kann Ruhe und Entspannung zu finden. Zudem kann eine regelmäßige Yin Yoga Praxis sich positiv auf Deine Flexibiltät und die Gleitfähigkeit Deines Fasziengewebes auswirken. Bitte achte während der Yin Yoga Praxis, wie auch bei allen anderen Stilen darauf, dass Du Dich wohl in den Übungen fühlst. Sobald ein ziehender (elektrischer) Schmerz auftritt ist es an der Zeit die Übung zu beenden um Verletzungen zu vermeiden. 

Yin Yoga bietet einen wundervollen Ausgleich zu den aktiven, dynamischen und körperlich eher fordernden Yogastilen

YOGA IST EINE REISE

Inzwischen gibt es in nahezu jeder Stadt und jedem Land auf der Erde Yogakurse. Aber manchmal geht tragischer Weise im Zuge der Verbreitung etwas von dem verloren, was Yoga ausmacht. Yoga ist nicht gleichbedeutend mit Asana. Es ist nur eines der acht Glieder des Yoga, wie sie von Patanjali erläutert wurden. 

Wer die Wissenschaft des Yoga praktiziert, kann zu einer direkten Erfahrung, einer direkten Wahrnehmung seiner selbst gelangen. Yoga ist weniger eine Übung als vielmehr das gesammelte Kraftmoment unseres innersten Urbedürfnisses nach Selbsterkenntnis. Und eben dieser Drang, uns selbst zu erkennen, ist die eigentliche spirituelle Reise. Die Dinge, die wir als Übungen bezeichnen, wie etwa Haltungen und Meditationen, sind lediglich Handwerkszeug. Es ist noch kein Yoga. Es hilft uns nur Klarheit zu erlangen, um in die Unendlichkeit des Seins eintauchen zu können. 

Ich wünsche Dir viel Spaß beim suchen, ausprobieren und finden
und vor allem beim Yoga Üben!

Licht & Liebe
Namaste

Diana

(Alle Fotos von Miriam Mumot https://miriammumot.de / @miriammumot)